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Fast niemand setzt sich freiwillig mit Steuern, bzw. Umsatzsteuer, auseinander. Trotzdem dürfen sie nicht vergessen werden. Denn wenn Sie als Privatperson eine Solaranlage betreiben, verbrauchen Sie selten ihren Strom komplett selbst. Folglich wird er ins Netz einspeist, das heißt Sie verkaufen ihn. Dies ist eine gewerbliche Tätigkeit und deswegen fordert der Staat Steuern. Als privater Solaranlagen-Besitzer hat man jedoch ein wenig Spielraum wie man mit der Vorsteuererstattung und der Umsatzsteuer umgeht.
Wir erklären euch, wie das mit der Umsatzsteuer bei Solaranlagen funktioniert, was es mit der Kleinunternehmerregelung (KUR) und der Regelbesteuerung auf sich hat und wie Sie vor allem im ersten Betriebsjahr Geld sparen könnt.
(Bitte beachten: Dies ist keine offizielle Steuerberatung, für eine professionelle Beratung wenden Sie sich bitte an ihr Steuerberater)

Betreiber von Solaranlagen sind immer Unternehmer

Eines vorweg: Sobald Sie eine Solaranlage betreiben, ihren eigenen Strom verbrauchen und/oder Strom ins Netz einspeisen, sind Sie Unternehmer. Eine Solaranlage schafft durch den Strom, den Sie entweder für sich selbst produzieren oder an den Netzbetreiber verkaufen, einen Wert. Diesen Wert kann man verkaufen und bei Verkäufe fällt immer Umsatzsteuer an. Das heißt aber nicht, dass Sie zwangsläufig Umsatzsteuer abführen müssen.

Es gibt zwei verschiedene Möglichkeiten um mit den Umsatzsteuern umzugehen:

  1. Kleinunternehmerreglung
  2. Regelbesteuerung
Exkurs Ertragssteuer

Bei der Planung der Anlage kalkuliert man, ob die Einspeisung der Anlage über 20 Jahre einen Totalverlust erzielen wird. Wenn dies der Fall ist wird die Anlage vom Finanzamt als Liebhaberei bezeichnet und eine Gewinn- und Verlustrechnung ist nicht mehr notwendig. Es ist also wichtig, dass die Einnahmen durch den Stromverkauf geringer sind als die Kosten der Anlage, also die Anschaffungskosten und Betriebskosten.

Aber auch wenn man Verlust macht heißt das nicht, dass sich eine Solaranlage nicht lohnt. Denn die Einsparungen durch eine Anlage beziehen sich darauf, dass die Verwendung des eigenen Stroms günstiger ist, als es von einem Stromanbieter zu kaufen.

 

Die Kleinunternehmerreglung

Ob Sie Umsatzsteuer, mit der Regelbesteuerung, abführen wollen oder die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen, ist ihnen überlassen – allerdings mit Einschränkungen. So darf nur Kleinunternehmer sein, wer:

  • im letzten Jahr weniger als 17.500,- € Umsatz im Jahr gemacht hat und
  • dieses Jahr voraussichtlich nicht über 50.000,- € Umsatz erwirtschaften wird.

Sofern diese Umsatzgrenzen eingehalten wird, ist man zunächst automatisch Kleinunternehmer. Private Betreiber einer PV-Anlage haben in der Regel keine Probleme, diese Umsatzgrenzen einzuhalten, denn so viel Geld werfen auch große Anlagen nicht ab.

Vorteile

Nachteile

Zahlt keine Umsatzsteuer auf den Eigenverbrauch

Keine Rückerstattung der Vorsteuer für die Anschaffungskosten der Photovoltaik-Anlage

Einfache Handhabung mit einer Einnahme-Überschuss-Rechnung

 Keine Rückerstattung der Umsatzsteuer für Betriebs- und Wartungskosten

 

Der Vorteil der Kleinunternehmerregelung besteht in einer simplen Handhabung. Es ist der einfachste Weg um mit den Umsatzsteuern umzugehen. Es fällt keine Umsatzsteuer an, weder auf den eingespeisten Strom, noch auf den selbst verbrauchten. Folglich muss auch nur eine einfache Einnahmen-Überschuss-Rechnung für das Finanzamt erstellt werden.

Der größte Nachteil ist, dass man die Umsatzsteuer für Anschaffung, Wartung- und Betriebskosten selbst tragen muss und man keine Rückerstattung vom Finanzamt erhält. Folglich ist die Investition für die Solaranlage höher.


Beispielrechnung der Kleinunternehmer (ohne Umsatzsteuer)

Einkauf

Verkauf des produzierten Stroms

Solaranlage

10.000 €

Strom

400 €

+USt 19%

1.900 €

ohne USt

0,00 €

Keine Rückerstattung vom Finanzamt

Tatsächliche Kosten für die PV-Anlage:

11.900 €

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Die Regelbesteuerung

Bei der Regelbesteuerung verzichtet man explizit auf die Kleinunternehmerreglung und gilt beim Finanzamt als Unternehmer. Dieser Verzicht ist für fünf Jahre bindend.

Vorteile

Nachteile

Höhere Rendite

Umsatzsteuer auf selbst verbrauchten Strom ans Finanzamt zahlen

Vorsteuererstattung vom Finanzamt für die Anschaffungskosten der Photovoltaik-Anlage

Erhobene Umsatzsteuer der Einspeisevergütung an das Finanzamt abführen

Umsatzsteuer für Betriebs- und Wartungskosten zurückerhalten

Mehraufwand durch eine erschwerte Buchhaltung (GuV)

 

Der Vorteil bei der Abführung der Umsatzsteuer besteht in der Möglichkeit zum Vorsteuerabzug. Wenn Sie als Unternehmer Ausgaben tätigen, zahlen Sie stets den Preis inklusive Mehrwertsteuer. Auf den ersten Blick unterscheidet sich ein Einkauf als Unternehmer nicht von einem Einkauf als Privatperson. Allerdings wird ihnen als umsatzsteuerpflichtiger Unternehmer die gezahlte Umsatzsteuer zurückerstattet, bzw. mit der Umsatzsteuer aus Strom-Verkäufen verrechnet. Hierdurch können Sie finanzielle Vorteile erzielen: Im Anschaffungsjahr der Solaranlage bekommen Sie die beim Einkauf gezahlten Vorsteuer vom Finanzamt erstattet.

Beispielrechnung der Regelbesteuerung (Mit Umsatzsteuer)

Einkauf

Verkauf des produzierten Stroms

Solaranlage

10.000 €

Strom

400 €

+USt 19%

1.900 €

+USt 19%

76 €

Rückerstattung vom Finanzamt

1.900 € – 76 € = 1.824 €

Tatsächliche Kosten für die PV-Anlage:

10.076 €

Die PV-Anlage kostet 10.000,- € plus 19% Umsatzsteuer. „Im Laden“ steht sie also zum Preis von 11.900,- €. Sowohl als Kleinunternehmer als auch als umsatzsteuerpflichtiger Unternehmer zahlen Sie den identischen Betrag. Der Unterschied besteht darin, dass Sie bei der Regelbesteuerung die gezahlte Umsatzsteuer,1.900 €, vom Finanzamt erstattet bekommt.

 

Einige Nachteile und Konsequenzen treten beim Abführen der Umsatzsteuer auf. Zunächst erschwert es die Buchhaltung ein wenig. Als Einnahmen aus dem Betrieb einer PV-Anlage erhalten Sie die Einspeisevergütung und ihren Eigenverbrauch. Der Netzbetreiber überweist ihnen die Einspeisevergütung in diesem Fall zuzüglich der Umsatzsteuer. Diese müssen Sie nun monatlich, z.B. über das ELSTER-Portal, an das Finanzamt abführen. Aber auch der Eigenverbrauch unterliegt der Umsatzsteuer, welche Sie an das Finanzamt zahlen müssen. Zudem entsteht mehr Aufwand, denn für die ersten beiden Jahre muss monatlich eine Umsatzsteuermeldung beim Finanzamt getätigt werden. Danach ist dies in der Regel nur noch jährlich nötig.

Beispielrechnung:

Der Eigenverbrauch von ihrem Strom wird wie ein Verkauf an Sie selbst gehandhabt, wobei eine Kilowattstunde Strom pauschal mit 0,20 Cent plus Umsatzsteuer (19%) angesetzt wird. Sie müssen also für jede Kilowattstunde 0,038 Cent an das Finanzamt abführen. Der Betrag wird addiert und am Ende gerundet.

 

Für die Jahre nach der Anschaffung ihrer Solaranlage bedeutet dies folgendes:

Für jede selbst produzierte Kilowattstunde aus ihrer Anlage müssen Sie 19% USt. von diesem Betrag, also 0,038 Cent, an das Finanzamt überweisen. Wenn Sie selbst keine Ausgaben haben, bedeutet dies ein Minus. Das liegt daran, dass Sie mit einer Solaranlage in der Regel nur im ersten Jahr Ausgaben haben. Im Prinzip nehmen Sie also die Ersparnisse aus dem ersten Jahr mit in die darauffolgenden Betriebsjahre ihrer Anlage.

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Macht es Sinn die Regelbesteuerung zu wählen und auf die Kleinunternehmerregelung zu verzichten?

In folgenden Schritten finden Sie es heraus:

  1. Sie müssen den Umsatzsteuernbetrag ausrechnen, den Sie an das Finanzamt zahlen müssen:
    • Wie viel kWhStrom produziert die Anlage jährlich?
    • Welcher Anteil davon wird ins Netz einspeist?
    • Wie viel wird selbst verbraucht?
    • Für den Eigenverbrauch fallen 0,038 Cent USt. je kWh an.

⇒ Das ist der Betrag an Umsatzsteuer, den Sie selbst jedes Jahr an das Finanzamt zahlen müssen. Dazu wird noch die Umsatzsteuer der geschätzten Einnahmen aus der Einspeisevergütung addiert, welche vom Netzbetreiber ausgezahlt wird.

  1. Anschließend rechnen Sie aus, wie viel Umsatzsteuer Sie im ersten Betriebsjahr für die Anschaffung der Anlage und für die Installation zahlen, weil die wird vom Finanzamt erstattet.
  2. Sie ziehen nun die jährlich selbst zu zahlende Umsatzsteuer von der Umsatzsteuer aus der Anschaffung und Installation ab.

⇒ So sehen Sie, nach wie vielen Jahren sich die Umsatzsteuer negativ für Sie auswirkt.

Zu Beachten:

Nach einigen Jahren fallen regelmäßig Wartungs- und Reinigungskosten an. Auch auf die zahlen Sie Umsatzsteuer, die das Finanzamt erstattet. Sie mindern also den Betrag, den Sie im jeweiligen Jahr als Umsatzsteuer an das Finanzamt abführen müssen.

Wenn Sie keine weiteren Investitionen in ihre Anlage tätigen, kehrt sich der Vorteil durch die Umsatzsteuer aus dem ersten Betriebsjahr irgendwann um. Je mehr Strom ihre Anlage produziert, desto früher passiert das.

 

Beispielrechnung der Ersparnisse durch den Vorsteuerabzug über 20 Jahre: 

Viele Betreiber von Solaranlagen bemühen sich deshalb, auch in den Jahren nach der Installation, Kosten mit ihrer Anlage zu erzeugen. Denn diese können Sie als Betriebsausgabe ansetzen; sie mindert also den Gewinn aus dem Betrieb und die Umsatzsteuer wird erstattet.

WICHTIG: Eine Batterie kann jedoch nicht nachträglich abgesetzt werden. Die Umsatzsteuer von einem Stromspeicher wird nur erstattet wenn er zusammen mit der Solaranlage gekauft wird.

Sie werden sehen, dass sich der Verzicht auf den Kleinunternehmerstatus bei privaten Solaranlagen in den allermeisten Fällen lohnt. Er ist mit ein wenig mehr Arbeit verbunden, bringt ihnen im ersten Jahr dafür aber eine große Ersparnis.

 

Die optimale Lösung um die Umsatzsteuer so gering wie möglich zu halten

In der Regel wird für die ersten fünf Jahre eine Regelbesteuerung empfohlen. So wird die hohe Umsatzsteuer der Anschaffungskosten erstattet. Die Umsatzsteuer, welche man auf den Eigenverbrauch zahlen muss, ist in den ersten fünf Jahren so gering, dass es sich lohnt.   Ab dem sechsten Jahr, kann zum Kleinunternehmer gewechselt werden. Damit keine Umsatzsteuer mehr anfällt. Die Solaranlage ist durch den Spareffekt rentabel, welcher aus der Eigenstromerzeugung entspringt. Einsparungen werden nicht besteuert!

 

Zusammenfassung:

  • In der Regel ist ein Verzicht auf die Anwendung der Kleinunternehmerregelung sinnvoll.
  • Bei der Regelbesteuerung bekommen Sie die Vorsteuer auf die Anschaffungskosten im Anschaffungsjahr vom Finanzamt erstattet.
  • Bei Verzicht auf die Kleinunternehmerregelung, muss für die ersten beiden Jahre monatlich eine Umsatzsteuermeldung beim Finanzamt gemacht werden. Danach ist dies in der Regel nur noch jährlich nötig.
  • Bei der Regelbesteuerung bekommen Sie auch für alle zukünftigen Ausgaben im Zusammenhang mit der PV-Anlage die Umsatzsteuer erstattet. Diese können z.B. Wartungs- und Reparaturausgaben sein.
  • Nach 5 Jahren kann man von der Regelbesteuerung in die Kleinunternehmerregelung wechseln, was meist  die rentabelste Lösung ist.