shineHub LoginshineSmart LoginCommunity Loginemail: [email protected] or tel: +49 89 716 802 877 Monday - Friday, 9am - 12pm

Ökostrom klingt super, beruhigt das Gewissen und leistet einen Beitrag zur Energiewende in Deutschland und der Welt. Wenn ihr euch verschiedene Ökostromtarife anschaut, dann werdet ihr schnell feststellen, dass der Markt für Ökostrom mittlerweile groß und teils auch unübersichtlich ist. Die wichtigste Frage für Kunden ist: Wie grün ist der Ökostrom wirklich und bekomme ich bei jedem Ökostromtarif auch wirklich 100% erneuerbare Energien?

shutterstock_126324377Die Frage lässt sich nicht eindeutig mit „ja“ oder „nein“ beantworten. Zwei wesentliche Faktoren spielen hier eine Rolle, die wir im Verlauf dieses Beitrages näher erläutern werden:

  • Welcher Strom kommt wirklich bei euch aus der Steckdose?
  • Was passiert, wenn ihr einen Anbieter dafür bezahlt, dass er Ökostrom liefert?

Aber zunächst zu den Begrifflichkeiten:

Gibt es einen Unterschied zwischen Ökostrom und Grünstrom?

Nein, grundsätzlich nicht. Ökostrom und Grünstrom können als Synonyme verwendet werden und bezeichnen im Allgemeinen Strom, der aus erneuerbaren Energien wie Sonnen-, Wind-, und Wasserkraft  erzeugt wird. Auch Biomasse- oder Biogasverbrennungsanlagen zählen hierzu. Grundsätzlich soll das Produkt Ökostrom auch auf eine möglichst nachhaltige und umweltschonende Art und Weise produziert werden. Allerdings ist sowohl „Ökostrom“ als auch „Grünstrom“ kein rechtlich geschützter Begriff. Stromanbieter können beide also frei benutzen, um für vermeintlich sauberen Strom zu werben, ohne ihn letztlich auch wirklich zu liefern.

Was passiert, wenn ich Ökostrom bestelle?

Das Gegenteil von Ökostrom ist Graustrom, der aus fossilen Brennstoffen oder Atomenergie hergestellt wird. Das mag für die meisten keine Neugikeit sein, doch können Graustromproduzenten über Umwege ihren Strom als grünen Strom verkaufen. Möglich macht es das sogenannte REC-System (Renewable Energy Certificate) als Teil eines europäischen Energie-Zertifikate-Systems. Mit der Erzeugung von grünem Strom erhält der Produzent neben dem eigentlichen Strom  ein Zertifikat. Nun kann er entweder seinen Strom mithilfe des Zertifikates als Ökostrom an Kunden verkaufen oder der Stromerzeuger hat nicht genügend Abnehmer für grünen Strom und verkauft deswegen einen Großteil des Stroms als konventionellen Graustrom an seine Kunden und darf deswegen seine Zertifikate an andere Anbieter verkaufen, die ihren Graustrom gerne als Grünstrom vermarkten möchten. Ein Stromanbieter kann also Ökostrom anbieten, ohne ihn selbst produzieren. Hierfür muss er einfach eine entsprechende Menge Ökostromzertifikate kaufen. Der saubere Strom wird dann nicht von eurem Anbieter produziert, sondern vom Verkäufer des Zertifikats. Das Zertifikat kann auch aus dem Ausland stammen.

Woher kommt der Strom aus meiner Steckdose?

Der Strom, den wir alle aus unserer Steckdose beziehen, kommt immer aus der birds-power2xnächstgelegenen Quelle. Selbst, wenn ihr einen Ökostromtarif habt, aber neben einem Atomkraftwerk wohnt, erhaltet ihr euren Strom zu einem hohen Prozentsatz direkt von dort. Euer Anbieter hat in diesem Fall wahrscheinlich gar nichts mit dem Kraftwerk in der Nachbarschaft zu tun. Es ist der Physik geschuldet. Solange dieses Kraftwerk (stellvertretend für alle nicht erneuerbaren Energien) Strom in unser Netz einspeist, werdet ihr – obwohl ihr eigentlich dafür bezahlt – keinen 100%igen Ökostrom aus der Steckdose bekommen. Dieser wird an einem anderen Ort produziert.

So bekommt ihr wirklich nachhaltigen Ökostrom

Wo Ökostrom draufsteht, ist auch wirklich Ökostrom drin – allerdings nicht so, wie wir uns das vielleicht vorstellen. Denn rein physikalisch betrachtet kommt der Strom immer aus unserer Nähe. Um wirklich erneuerbare Energien zu konsumieren, müsste sich der Strommix in Deutschland also zu 100% aus grünen Quellen speisen. Das ist nicht der Fall. Wenn ihr allerdings Ökostrom bestellt, so könnt ihr sicher sein, dass irgendwo auch eine entsprechende Menge an erneuerbaren Energien produziert und verbraucht wird.

Wenn es euch um den größtmöglichen positiven Einfluss auf die Energieversorgung in Deutschland geht, dann solltet ihr euch für einen Tarif mit einem Ökostrom-Label entscheiden. Führend auf diesem Gebiet sind zurzeit das Grüner Strom Label oder ok-power Siegel. Anbieter mit dieser Zertifizierung investieren unter anderem einen bestimmten Prozentsatz je verkaufter Kilowattstunde in die Förderung von neuen Anlagen, um die Menge an Ökostrom im Netz nachhaltig zu steigern. Einen Vergleich der verschiedenen Ökostrom-Labels findet ihr hier. Übrigens: Ökostrom muss nicht teuer sein.